Moment zum festhalten

"Sich einmal richtig aufbretzeln, mit der Limousine vor den coolsten Club der Stadt chauffiert werden und wichtig am Türsteher vorbeiziehen – das ist ein Moment zum Festhalten" stand heute in den 20Minuten.

Als ich diese Headline zur Werbung einer Samsung-Fotokamera gelesen habe, ist mir richtig schlecht geworden. Das übertriebene "sich wichtig machen" fällt mir immer mehr auf und fängt langsam an zu nerven.

Du bist nur wer, wenn Du in einer fetten Limo vorfahren kannst. Einen iPod brauchst Du auf jeden Fall, mit dem Du überall (bevorzugt in Trams) deine Mitmenschen mit Deinem Gedudel nervst und dabei wie ein stolzer Gockel drein schaust, am besten noch in billigen Addiletten, fettigen Haaren und Körperausdünstungen die jenseits von Gut und Böse sind. Schlimmer finde ich dann nur die Mädels, die das blecherne Geplärre aus dem neuesten Handy aufdrehen und sich dabei soooo toll finden. Ist halt nur blöd, wenn der Rest nicht dazu passt, wie abgekaute oder aufgeklebte Fingernägel und im Tussi-Einheitslook (helles Top, dunkle Hose, übergrosse Brille und zuviel Schminke). Richtig eklig wird es dann wenn die Extentions (Haarverlängerungen) zu sehen sind.

Letzte Woche kam eine max. 18jährige in einen Mobilladen, drängelte sich frech vor und holte ihren bestellten iPhone 3G ab. Ganz begeistert fragte die den Kundenberater: "Damit cha ma doch alli Bilder azeige un Musik losse, nöööhd"? Ich war den Tränen nah und kurz davor ihr zu sagen: "Mol, un telefoniere chascht au no!", weil ich das Gefühl hatte, das sie gar nicht weis was sie da überhaupt gekauft hatte. Aber eigentlich ist es ja auch egal, schliesslich hat sie jetzt einen iPhone 3G.

Aber nicht nur Jungs und Mädels mit Welpenschutz, sondern auch etwas reifere Semester in meinem Alter haben das Problem. Letzte Woche hat ein Fahrgast einen anderen freundlich gebeten etwas leiser zu telefonieren. Der Telefonierer unterbrach das Gespräch kurz und meinte frech es gäbe hier auch ein Ruheabteil und teilte weiter fröhlich firmeninterne Geheimnisse mit seinem Gesprächspartner aus.

Ich weiss nicht, ob Mitleid da noch angebracht ist?

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